Rechenschaftsbericht 2005

Liebe Vereinsmitglieder,

analog zu den letzten Jahren darf ich Ihnen am Ende wiederum den Rechenschaftsbericht der SR-Gruppe präsentieren, um Sie alle wieder transparent und umfassend über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich zu informieren. Dieses haben wir in den vergangenen Jahren stets getan und wollen an dieser Tradition festhalten, denn wir möchten, dass Sie über die Entwicklungen und Ziele in unserem Bereich informiert sind.

Lassen Sie mich zunächst über die reinen Fakten berichten. Aktuell sind für Hertha BSC 40 Schiedsrichter auf den Plätzen unterwegs, sowohl als aktive Schiedsrichter als auch in anderen Funktionen des SR-Wesens. Wir haben damit gegenüber dem letzten Jahr einen leichten Zuwachs erreichen können und bewegen uns damit in den vom Verein beschlossenen quantitativen Vorgaben.

Auch qualitativ konnte das abgelaufenen Jahr überzeugen, denn neben einer Vielzahl an Aufstiegen und aktuellen Nominierungen für Fördermaßnahmen des Berliner Fußball-Verbandes ist es uns gelungen, unseren Spitzenplatz innerhalb des BFV zu bestätigen. In dieser Saison amtieren 6 Schiedsrichter in der Verbandsliga und ein Schiedsrichter gehört der Regionalligaliste des DFB an. Im Jugendbereich sind es derzeit leider nur 9 Schiedsrichter, aber diese Entwicklung ist einzig auf die natürliche Alterung unserer Schiedsrichter zurück zuführen , die schlicht und ergreifend aus dem Nachwuchsbereich „rausgewachsen“ sind und nun im Erwachsenenbereich ihren Mann oder ihre Frau stehen. Potenzial ist sehr viel vorhanden und es bereitet einfach Freude, die Entwicklung dieses Talentpools zu sehen. Engagement, Kompetenz und Leistung stehen in einem guten Verhältnis und es kann davon ausgegangen werden, dass die derzeitigen Spielklassen in vielen Fällen lediglich Zwischenstationen sind. Bilder unserer Schiedsrichter sehen Sie im Hintergrund laufen, damit Sie von den Personen einmal einen Eindruck gewinnen können.

Erfreulicherweise wurden in der abgelaufenen Saison auch wieder drei unserer Schiedsrichter als beste Schiedsrichter ihrer Spielklasse ausgezeichnet. Eine Auszeichnung, die wirklich die Leistung der gesamten Saison bewertet und eine hohe Anerkennung besitzt. Die Namen dieser drei Schiedsrichter möchte ich an dieser Stelle einmal erwähnen, damit auch Sie sie gehört haben:

  • Erkin Öztoprak als
    Klassenbester der Landesliga
  • Adrian Maxelon als
    Klassenbester der Bezirksliga
  • David Jalilvand als
    Klassenbester des Junioren-Leistungskaders

Auch diese Erfolge sind das Ergebnis der Arbeit der vergangenen Jahre und vor allem der Kontinuität, mit der wir agiert haben. In einer Vielzahl an Gesprächen und während vieler Veranstaltungen haben wir uns bemüht, unseren Schiedsrichtern die nötige Sicherheit zu vermitteln und ihnen bei Problemen zu helfen. Dieses war nur möglich, weil viele bereit waren, sich einzubringen. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre, dann dürfen wir auf diese Erfolge, die unsere Schiedsrichter erzielt haben, sehr stolz sein. Aber darüber habe ich Ihnen in den letzten Jahren kontinuierlich berichtet, so dass Sie alle stets auf dem Laufenden waren und sich einen Einblick in die Arbeit verschaffen konnten.

Vor einem Jahr, im Zusammenhang mit der damals neu durchgeführten Wahl der Amateurleitung habe ich hier an dieser Stelle sehr ausführlich über die Entwicklung der vergangenen sechs Jahre referiert und vor allem auch Ziele für die Zukunft formuliert. Sofern daran ein Interesse besteht, können Sie diese Ausführungen gerne auch noch einmal auf der Homepage der SR-Gruppe nachlesen.

Als Gesamtziel habe ich vor 12 Monaten formuliert:

Wir wollen unsere Position als Nr. 1 weiter ausbauen. Nicht mehr quantitativ, sondern qualitativ.

Dieses war damals schon ein sehr ehrgeiziges Ziel, denn wir waren in den Monaten davor in der Menge deutlich angestiegen, konnten aber durch das Wachstum auch erkennen, dass wir auf der Ebene der Qualität nachsteuern mussten.

Aber diese formulierten Ziele und Ansätze waren dann einige Wochen später nur noch Schall und Rauch, denn es stand ein anderes Thema im Vordergrund. Und bitte glauben Sie mir, dass mir die nun folgende Passage nicht besonders leicht fällt, aber Sie alle, wie Sie hier heute anwesend sind, haben einen Anspruch darauf, dass ich dieses Thema hier nicht ausspare.

Konnte ich seit 1998 stets Erfolge und besondere sportliche Leistungen aus dem SR-Bereich verkünden, so muss ich heute auch über die Entwicklungen in einem sehr unangenehmen Thema sprechen, denn es hat uns alle getroffen und leider auch immer wieder den Namen des Vereins unberechtigterweise diskreditiert.

Ja, ein Schiedsrichter aus unserer Gruppe hat den wohl größten Bundesligaskandal seit 1971 ausgelöst! Ob er der Drahtzieher war oder nicht, mögen andere beurteilen, aber er war an entscheidender Stelle beteiligt.

Ja, die SR-Gruppe dieses Vereins kannte das in Verruf geratene Lokal und ja, wir waren dort auch zu Gast.

Ja, diese für uns alle unverantwortlichen Handlungen haben dem Verein und uns allen sehr geschadet.

Ja, wir haben diesen Schiedsrichter über Jahre gefördert und auch ich habe ihn hier jahrelang als sportliches Aushängeschild für den Schiedsrichterbereich präsentiert und er war derjenige, auf den wir alle sportlich gebaut haben.

Wir alle sind von diesen Entwicklungen im Januar 2005 überrollt worden und dies sage ich auch gerne noch einmal an dieser Stelle:

Was hier im Wettskandal an die Öffentlichkeit gelangt und was dort passiert ist, ist für mich nach wie vor unvorstellbar. Diese Entwicklungen passen nicht in mein sportliches Wertesystem und sie haben dazu geführt, dass eine Welt zusammengebrochen ist.

Nur bitte glauben Sie meinen SR-Kollegen und mir, dass wir von diesen Entwicklungen nichts gewusst haben. Wir alle sind davon überrascht worden und hätten wir dieses gewusst oder geahnt, dann wären wir eingeschritten.

Ich bin allerdings froh darüber, dass ein Mitglied unserer Gruppe zur Aufdeckung des Skandals beigetragen hat und damit gezeigt hat, wie wir reagiert hätten, wenn uns dieses bekannt gewesen wäre.

Dass man uns alle in eine Ecke mit jemanden gestellt hat, der Spiele manipuliert und betrogen hat, hat uns schwer getroffen. Oder glauben Sie wirklich, dass diejenigen, deren Portraits Sie hier hinter mir sehen, sich aktiv oder passiv an solchen Vorgängen beteiligt hätten?

Alle diese Sportler haben auf ein Zeichen der Unterstützung gehofft! Sie warteten bis heute, obwohl sie versichert haben, nicht beteiligt und nichts gewusst zu haben.

Auch wurde uns unterstellt, wir hätten die Dimension dieses Vorganges nicht begriffen und würden nicht erkennen, was uns und dem Verein der besagte Schiedsrichter angetan hätte. Diesen Vorwurf muss ich deutlich zurückweisen, denn bitte glauben Sie mir, dass wir dieses sehr wohl erkannt haben. Mit Sicherheit auf einer anderen Ebene als viele von Ihnen, nämlich auf einer sehr persönlichen Ebene. Die eingetretene Enttäuschung lässt sich für kaum einen von uns in Worte fassen. Die Wunden, die aufgerissen wurden, sind noch lange nicht verheilt. Schade, dass wir im Heilungsprozess keine Unterstützung bekamen, sondern uns auch stets noch intern verteidigen mussten.

Mit Sicherheit sind an vielen Stellen bei der Bewältigung dieses Skandals Fehler gemacht worden. Auch wir waren davon nicht frei, aber als Verantwortliche der SR-Gruppe haben wir uns intern bemüht, unseren Schiedsrichtern Sicherheit zu vermitteln, damit sie ihrer Aufgabe weiter nachgehen konnten. Und dieses können Sie mir bitte abnehmen: Es war wahrlich nicht leicht, nach dem 22. Januar als Schiedsrichter von Hertha BSC auf den Platz zu gehen und durch Leistungen zu überzeugen. Und diesem Druck auch dann Stand zu halten, wenn kritische Entscheidungen anstanden. Dieses haben unsere Schiedsrichter geschafft und dabei mit den Leistungen noch so überzeugt, dass es zu vielen Aufstiegen gereicht hat. Davor ziehe ich symbolisch meinen Hut und bedanke mich bei meinen Schiedsrichtern für diesen Mut und Einsatzwillen.

Gestatten Sie mir zum Abschluss noch einige sehr persönliche Anmerkungen. Ich habe im Jahr 1998 in diesem Verein begonnen, eine SR-Gruppe aufzubauen. In diese Arbeit ist viel Freude und Begeisterung geflossen, denn ich habe sie sehr gerne getan. Es haben sich Erfolge abgezeichnet und junge Menschen haben sich hervorragend entwickelt. Es hat mir einen Riesenspaß gemacht. Parallel gab es eine beeindruckende Entwicklung des Gesamtvereins, die viele Entscheidungen im Amateurbereich vereinfacht hat. Aber auch in dieser kleinen Enklave „Schiedsrichter“ konnten wir mehr als zufrieden sein, denn auch wir haben uns Schärflein zur Entwicklung und zum positiven Image beigetragen. Der Weg zu diesem Ziel war sehr steinig, aber der Weg war unser Ziel. Und wir sind ihn, trotz Problemen, erfolgreich gegangen.

Aber gerade die Entwicklungen in den letzten 9 Monaten haben dazu geführt, dass die Freude an dieser Aufgabe stark nachgelassen hat. Damit meine ich nicht den bereits angesprochenen Skandal, denn eine solche Situation verleitet eher zum Kämpfen als zum Aufgeben.

Aber es ist hier und heute nicht meine Aufgabe, schmutzige Wäsche zu waschen bzw. eine Abrechnung vorzunehmen. Ich wünsche mir nur, dass jeder Verantwortliche einmal in Ruhe sein Verhalten kritisch reflektiert und überlegt, was unter den Begriffen Solidarität und Vertrauen zu verstehen ist.

Mir war es wichtig, Ihnen am heutigen Abend Rechenschaft über die vergangenen 12 Monate abzulegen, denn Sie haben diese Auskünfte verdient. Ihnen habe ich Rechenschaft abzulegen und ich habe dies in den letzten Jahren sehr gerne getan. Leicht war es in diesem Jahr nicht, aber dieser Verantwortung konnte und durfte ich mich allein schon aus Respekt nicht entziehen.

Meinen Schiedsrichtern danke ich für eine tolle Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Es hat wirklich Freude bereite mit und für euch zu arbeiten. Wir sind gemeinsam einen tollen Weg gegangen und ich möchte keine Sekunde davon missen.

Ihnen, meine Damen und Herren, danke ich für die Aufmerksamkeit, die sie mir stets gewährt haben. Ich habe Ihnen gerne umfassend Bericht erstattet, denn Ihre Reaktionen waren stets Motivation, Sie mit weiteren Informationen zu versorgen.

Zukünftig wird hier ein anderer SR-Obmann stehen und berichten, denn ich werde mein Amt aus dem o.g. Gründen zum 31.12.2005 niederlegen.

Vielen Dank.

Dirk Brennecke, Schiedsrichter-Obmann