Rechenschaftsbericht 2012

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Herthanerinnen und Herthaner,

ich möchte Ihnen im nachfolgenden einen kurzen Überblick über die Aktivitäten der Schiedsrichtergruppe Hertha BSC innerhalb der vergangenen zwölf Monaten geben.

Traditionell möchte ich meine Ausführungen mit der personellen Situation beginnen. Mit Stand vom 14. Februar 2012 sind insgesamt 37 Sportkameradinnen und Sportkameraden Mitglied in der Schiedsrichtergruppe Hertha BSC. Diese Zahl ist damit auf dem ersten Blick seit drei Jahren konstant. Allerdings hatten wir im vergangenen Sommer abermals eine hohe personelle Fluktuation. Sechs Schiedsrichter hatten die Gruppe verlassen bzw. ihre aktive Schiedsrichterkarriere beendet. Diese Zahl ist aber nicht weiter besorgniserregend, denn immer wieder kommt es bei Schiedsrichtern im Alter zwischen 25 und 35 zu veränderten privaten Lebensumständen: sei es durch den beruflichen Einstieg nach dem Studium, Familiennachwuchs oder ein Weggang aus Berlin. Ein Grund ist aber auch, dass bereits in jungen Jahren die Leistungsgrenze im Schiedsrichterwesen erreicht wird, was viele Schiedsrichter dann zum Aufhören bewegt. Dieses ist sicher ein Punkt zum Nachdenken, wenngleich ich bei diesem Problem eher den Berliner Fußball-Verband und nicht Hertha BSC gefordert sehe. Hier müssen Anreize geschaffen werden, um Schiedsrichter auch nach der aktiven Karriere an das Schiedsrichterwesen zu binden. Die personelle Fluktuation im vergangenen Jahr führte nun erstmals dazu, dass wir elf passive Mitglieder hatten (von aktuell 37). Dieses veranlasste uns dazu, dass wir im vergangenen Jahr eine offizielle Ausschreibung vorgenommen haben, in der wir gezielt jungen Schiedsrichternachwuchs im Alter von 12 bis 15 Jahren suchten. Und diese Ausschreibung verlief sehr erfolgreich: wir konnten insgesamt sechs neue Schiedsrichteranwärter an unsere Gruppe binden; was ich umso bemerkenswerter finde, wenn man zum damaligen Zeitpunkt den Zustand des deutschen Schiedsrichterwesens betrachtet. Dazu aber später im Rechenschaftsbericht mehr. Durch den Zu- und Abgang von Schiedsrichtern haben damit weiterhin 37 Schiedsrichter. Mittelfristig möchte ich Zahl von 35 erreichen, denn dieses ist die Höchstgrenze, um mit den Schiedsrichtern erfolgreich arbeiten zu können.

Im Jahr 2008 hatte ich Ihnen die Schiedsrichterkonzeption vorgestellt, die Sie im Hintergrund lesen können. An dieser Konzeption halten wir auch zukünftig fest. Das bedeutet für unsere Arbeit, dass wir nicht nur neue Schiedsrichter dem Berliner Fußball-Verband zuführen, sondern auch die Ressourcen in unseren Verein einbringen: sei es durch Regelschulungen für Trainer und Mannschaften oder durch die Unterstützung der Schiedsrichter bei Mitgliederversammlungen.

Lassen Sie mich an dieser Stelle auch kurz die sportlichen Erfolge der Schiedsrichtergruppe herausheben. Mit Ablauf der vergangenen Saison haben erneut sechs Schiedsrichter durch hervorragende sportliche Leistungen den Aufstieg in eine höhere Spielklasse geschafft. Dieses sind namentlich

  • Ralf Kisting mit dem Aufstieg in die Kreisliga A,
  • Sebastian Hirsch mit dem Aufstieg in die Bezirksliga,
  • Rene Richter und Noel Cajigas-Soto mit den Aufstiegen in die Landesliga sowie
  • Rasmus Jessen und Stefan Schumacher mit dem Aufstieg in Berlins höchste Spielklasse, die Berlin-Liga.


Euch von dieser Stelle nochmals herzlichen Glückwunsch.

Darüber hinaus schaffte Patrick Unger die Nominierung in den Junioren-Leistungskader, eine Fördermaßnahme des Berliner Fußball-Verbandes für junge und talentierte Schiedsrichter. Diesem Kreis gehören damit – gemeinsam mit Nils Unger - mittlerweile zwei Hertha-Schiedsrichter an. Erfreulich stimmt mich auch die sportliche Entwicklung von Rasmus Jessen. Er schaffte letzten Sommer nicht nur den Aufstieg in die Berlin-Liga, sondern er erarbeitete sich durch seine guten Leistungen ein Probespiel in der NOFV-Oberliga, das am kommenden Sonntag in Jena stattfindet. Dafür drücken wir alle fest die Daumen.

Neben den Aufstiegen im Berliner Bereich brachte natürlich eine Meldung eine besondere Aufmerksamkeit für die Schiedsrichtergruppe Hertha BSC. Unser Aushängeschild Felix Zwayer wurde von der FIFA mit Beginn dieses Jahres auf die internationale Schiedsrichterliste berufen. Unser Hertha-Schiedsrichter ist damit seit Januar 2012 nicht nur in der Bundesliga, sondern auch auf internationalem Parkett unterwegs. Dazu gratuliere ich auch noch einmal von dieser Stelle recht herzlich.

Aber diese sportlichen Erfolge – egal ob regional oder international - benötigen auch immer die notwendigen Rahmenbedingungen, die wir als Schiedsrichter von Hertha BSC zu jeder Zeit erhalten haben. Ich möchte mich daher an dieser Stelle auch beim gesamten Verein, den ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern, dem Vorstand und dem Präsidium für die Unterstützung in den vergangenen Jahren bedanken. Diese Erfolge sind auch nur dann möglich, wenn die Gruppe die notwendige Unterstützung der Verantwortlichen erhält. Und das war ohne Zweifel stets gegeben. Dafür Ihnen/Euch allen vielen Dank.

Neben den positiven Entwicklungen muss ich leider auch auf zwei weniger schöne Augenblicke im Jahr 2011 zurückblicken. Am 25. Juni 2011 ist mein langjähriger Stellvertreter Thomas Grünberg plötzlich und unerwartet verstorben. Und das im Alter von 45 Jahren. Diese Nachricht zog uns Schiedsrichtern sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weg. Und vor allem zeigte es uns, dass Fußball manchmal nicht alles im Leben bedeutet.

Davon kann auch unser Schiedsrichter Gerald Bothe ein Lied singen. Obwohl das Thema quer durch alle Medien ging, hier noch einmal zur Erinnerung: In einer Partie der Senioren-Landesliga im September 2011 wurde der Hertha-Schiedsrichter nach einer gelb-roten Karte mit einem Faustschlag von einem Spieler so derart heftig attackiert, dass dieser bewusstlos zu Boden ging. Dabei verschluckte er seine Zunge und konnte nur durch das beherzte Eingreifen eines Spielers vor dem Erstickungstod gerettet werden. Über das Thema wurde viele Wochen medial berichtet. Ich möchte an dieser Stelle auch gar nicht weiter darauf eingehen. Auch hielt ich es nicht immer glücklich, dass unser Hertha-Schiedsrichter jede sich bietende Möglichkeit nutzte, um sich in den Medien zu präsentieren. Eines aber ist klar und unmissverständlich: Jegliche Gewalt gegen Schiedsrichter, ob körperlich oder verbal, ist nicht zu tolerieren! Weder auf, noch neben dem Platz. In was für einer Gesellschaft sind wir angekommen, wenn Schiedsrichter auf dem Fußballplatz beschimpft, bespuckt oder attackiert werden. In meinen Augen muss hier ein drastisches Umdenken stattfinden, sonst können wir in Berlin irgendwann keine Freiwilligen mehr finden, die sich als Schiedsrichter zur Verfügung stellen. Und das wir uns auch nicht falsch verstehen: Einem Trainer oder Spieler muss es gestattet sein, seinem Ärger über eine SR-Leistung Luft zu verschaffen. Es muss aber immer im Rahmen sein. Und dieser Rahmen wurde im vergangenen Jahr leider überschritten. Ich bin heil froh, dass es unserem Hertha-Schiedsrichter zwischenzeitlich wieder besser geht und er zurück auf den Fußballplatz gekehrt ist.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch einen persönlichen Eindruck schildern. Ich erwähnte eingangs, dass wir sechs Jugendliche Schiedsrichteranwärter für unsere Gruppe gewinnen konnten. Diese Ausschreibung und die Kennenlerngespräche erfolgten im vergangenen Jahr zu einem Zeitpunkt, zu dem Medien berichteten, dass

  • ein Berliner Schiedsrichter verprügelt wurde,
  • ein Bundesliga-Schiedsrichter einen Suizidversuch unternahm und
  • DFB-Schiedsrichter vermeintlich als Steuerhinterzieher enttarnt wurden.


Wahrlich war das Jahr 2011 für das Schiedsrichterwesen nicht von positiven Nachrichten geprägt. Umso bemerkenswerter fand ich es, als ich bei den Kennenlerngesprächen in die Augen der Jugendlichen schaute und die Begeisterung und Faszination für das Hobby Schiedsrichterei sehen konnte. Trotz der Medienberichte und den – zweifelsohne auch reißerischen Schlagzeilen – ließen sich die Jugendlichen nicht die Freude und das Interesse für das Hobby an der Pfeife nehmen. Mir wurde bei diesem Erlebnis wieder bewusst, wovon das Amt des Schiedsrichters lebt: die Faszination. Ich kann nur hoffen, dass diese Begeisterung, das gilt auch für meine Schiedsrichter, niemals erlischt.

Was sagen uns meine Ausführungen? Gesellschaftliche Probleme können auch wir nicht lösen. Aber Schiedsrichter sind Imageträger und sie tragen Wochenende für Wochenende die Faszination für den Fußball mit sich. Insofern werden wir weiterhin daran arbeiten, dass die Schiedsrichtergruppe innerhalb unseres Vereins seinen Teil für die Philosophie der Fußballabteilung – nämlich Talente fördern und fordern - beiträgt. Und dabei werden uns die selbst definierten Ziele helfen.

Abschließend möchte ich meinen Stellvertretern und Mitstreitern David Jalilvand, Selcuk Mizmzilioglu und Rasmus Jessen für die Zusammenarbeit im abgelaufenen Kalenderjahr danken. Ich danke Euch für die vielen ehrenamtlichen Stunden und die Arbeit, die Ihr für unsere Schiedsrichtergruppe investiert habt. Auch danke ich meinen Schiedsrichtern, mit denen die Arbeit eine große Freude bringt. Und auch an dieser Stelle ein Dank an unser Gruppenmitglied Holger Bergmann, der sich mit viel Eifer und Freude für die Regelschulungen mit unseren U-Mannschaften engagiert.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit und wünsche uns allen einen angenehmen Versammlungsverlauf.

Kevin Langner
Schiedsrichterobmann